Mein Italien

Die Schönheit eines Tages im Frühling
mit dieser perfekten Temperatur.
Bis zum späten Abend draußen bleiben,
die Vespa neben der Wand stehen lassen.
Mit Fremden über die Zukunft plaudern.

Glänzendes Elend und Perlenketten.
Blicke begrüßen dein Geheimnis.
Ausländische Akzente aus der Ferne.
Grazie verkleidet als Trubel.
Im Abseits, die Brünette und die Blondine.

Die Anzugträger, die Wut, die Ehre.
Die Sätze. Ich töte dich. Ich würge dich.
Ich liebe dich. Ich schätze dich.
Zu welchem Preis? Entlang des sandigen
und blutigen Flusses – von Nord zu Süd?

Von Menschen die leiden
und sich verlieben,
studieren und kämpfen,
singen, weglaufen, genießen
und arbeiten.

Mafia, Cosa Nostra, Geldmaschinerie.
Mord an deinen Lieblingsmenschen.
Bestrafung durch ihren Tod.
Früchte der Schuld sollen dich tragen.
Trauer zerschmettern.

Witwen tragen ihre schwarzen Kleider.
In Italien. Mamma mia. Weltmeister
der Herzen. It’s coming to Rome.
Keiner kann dir böse sein.
Jeder wirds verschmerzen.

Bist so schön. So intensiv.
Modegiganten. Essenslieferanten.
Prada, Gucci, Armani oder Versace.
Büffelmozzarella. Safranrisotto.
Parmaschinken und Parmesan.

Felder von Olivenbäumen.
Extra Vergine Nativ.
Sonderangebote, Trevi-Brunnen.
Selbstverständliche Gastfreundschaft.
Kein Wort dafür im Wörterbuch.

Was biete ich dir an?
Was nimmst du?
Was trinkst du?
Hast du gesehen? Und wussten Sie schon?
Italien, so tief ohne jemals zu sinken.

Ein Kuss auf dem Mund.
Spucke auf dem Boden.
Kriege werden abgelehnt.
Was machst du beruflich?
Vespucci Amerigo.

Es ist mir ein Vergnügen.
Ich kaufe Gold.
Viale Padova, Ecke Piazza Vittorio.
Meine Mutter schreit aus dem Fenster.
Es gibt Abendessen. Kein Federico.

Jemand beschwert sich mit vollem Magen.
Illusorische Reise zurück in die Zukunft.
Italien trag dich in mir bis ins Mark.
Fahre mit halsbrecherischer Geschwindigkeit die Kurven herunter.

Das Panorama von Feldern und Zelten.
Von großen Künstlern.
Noch größer, je mehr du dich entfernst.
Galileo Galilei, Da Vinci, Verdi, Vivaldi
und Michelangelo.
Berühmte Tote in Monumente.

Arschlöcher, die Veränderungen blockieren.
Leinwände der Komödienkunst.
Sich an die Wärme der Mittelschule erinnern.
Das Feuer der Reifen in der Unterführung.
Die heimliche Spielhöhle hinterm Haus meiner Großeltern.

Der erste Kuss, der erste Mai.
Wo gehst du hin ?
Was machst du heute Abend?
Einen Aperitivo?
Bis zum Gipfel mit einem Reim.

Wie nie zuvor
werd ich dich lieben.
Wie nie zuvor
werd ich dich verfluchen.
Das Glück ist was für andere.

Traditionen.
Religion.
Familienwerte.
Zusammenhalt bis zum Tod.
Zusammenhalt, du Idiot.

Vergebung und Barmherzigkeit.
In Italien.
Zwischen Zypressen, Palmen und Blumen.
Auf ein Limoncello bei Freunden.
Liebeslieder werden gesungen.

Schief gesungen um die Wette.
Die kleinliche Provinz,
Mit der Schrift an der Wand:
„Viva la figa.“ ein Meisterwerk,
das nicht erklärt werden kann.

Frisch gestylte Großmütter
auf der Familienfeier.
Kinder ernten San Marzano Tomaten.
Tante und Onkel machen Soße draus.
Oma frittiert Zucchiniblüten.

Alte Menschen sitzen draußen
vor dem Haus. Treiben zuschauen.
Große Erzähler, große Leugner.
Mein Land.
Mein Italien.

Es wird gefickt und gebetet.
Verschmilzt und verbindet.
Verschenkt und sorgt sich nicht.
Schaut über Dinge hinweg und ertrinkt
im Meer. Dolce Vita.

Die Population ändert ihre Farbe.
Im Namen einer Welt,
die sich immer weiter dreht.
In Florenz, Mailand, Rom und Venedig,
Bologna oder Bari. Piemont und Apulien.

Schmeiß die Pasta ins Wasser, Maria.
Stracciatella Gelato? Per favore.
Wer Kugeln verkauft
ist einfach würdelos.
Touristenabzocker, Hütchenspieler.

Noch ne Sonnenbrille beim Marokkaner?
Sieht aus wie „Ray Ban“
Ist aber nur „urban“.
Trotzdem gute Aura um die Nase.
Fühle wie es sich dreht.

Veränder dein Ambiente.
Buongiorno, buonasera, welcome in Italia!
Im Süden Europas, nördlich des Äquators.
In der Nähe von Addis Abeba
umgeben vom Meer.

Deine Umrisse wie ein Modestiefel.
Ein alter löchriger Schuh Europas.
Ästhetik in Landschaftsökologie.
Spielst Fussball mit Sizilien.
Land voller Widersprüche.

Seid willkommen in Italien.
Bringt mich zum Tanzen dort
wo es riecht nach Orangen und Zitronen.
Dort wo sie zu Boden fallen
und lächelnd wieder aufstehen.

Dort wo sie erneut fallen
und immer wieder aufstehen, lachend
Und Stolz zum guten Ton gehört.
Bella Figura.
In Italien.

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