Ich komm zurecht

Die unwiderstehliche Leere
meines Bettes ertasten.
Meine Finger rutschen
zwischen Kissen und Laken.
Allein wollte ich sein.
Gesellschaft ertrage ich nicht.
Erfühlen klarer Grenzen,
Grenzen meiner Insel.

Jeder
meiner einzelnen Finger
gleitet leise
über kleine Macken im Holz.
Eine Kerbe im Bettpfosten
für jede einzelne Minute allein.
Das Smartphone säuselt
unhörbar Lieder.

Lieder, die wir gemeinsam hörten.
Fühl mich unvollkommen.
Das Gefühl zerreisst
mein geflicktes Herz.
Jedes Lied brennt, hinterlässt
größeren Schmerz und starr
lieg ich da, beweg mich kein Stück,
ringe um Luft.

Die Schwere im Raum drückt auf meine Lungen,
drückt mit Kraft auf mein Gemüt.
Merke wie sich der Gedanke ohne dich
fest an meiner Kehle drückt.
Jeder weitere Gedanke reißt
die Enden in ungleiche Richtungen.
Immer noch stumm und unvollkommen.
Ziehe meine Kleidung zurecht.

Räume auf, erledige meine Aufgaben,
wage einen Blick in den Kühlschrank und sammle mich,
ich sammle mich, ich sammle mich und spür,
ich werd krank und glaube mir nicht
weil die Möbel hängen an der Decke und der Himmel
ein weit entfernter Boden ist, meine Hände
halten mich an der Decke fest, alles steht Kopf und
irgendwo kann ich nicht mehr.

Ich. Ein Schieberechner.
So ein veraltetes Ding, dass sich selbst
von der einen Seite zur anderen schiebt
um mich zu summieren oder subtrahieren.
Ich. Ein Insekt auf der Suche nach
Unterschlupf, warmen Wandritzen, Resten
aus altem Brot, Schimmligem Abfall.
Ein bißchen Trost.

Ich. In deinen Augen ein Parasit.
Ein Soziopath.
Nutznießer deiner Arbeit.
Meine Saugnäpfe an deinem Geldbeutel.
Bis Ebbe herrscht.
Ich. Ein Schöngeist
ohne Vernunft, ohne Ordnung,
ohne Stringenz und Struktur.

Die Worte deiner Stimme zerren mich
durchs Fenster wieder zu Boden.
Die Tür verriegelt,
das Telefon nicht aufgelegt.
Wieder auf beiden Beinen schweige ich
mich aus, Tag um Tag,
Fliegen in meinen Händen
Kisten auf meinem Kopf.

Wasserhähne an meinen Schläfen.
Bis keine Hand mich mehr am Kragen
ins Haus zerrt und ich sitzen bleibe.
Ein kleines Kind auf der Straße.
Auf Asphalt.

Ein Gedanke zu “Ich komm zurecht

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